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Wir
lernten uns in einem Krankenhaus kennen. Sie war
hier Schwester. 19 Jahre, ich 21. Heidi, blond,
eher zierlich von Statur, aber nicht zerbrechlich.
Da mein Aufenthalt für ungefähr drei Monate
festgelegt worden war, wollte ich die langen
Abende nicht unbedingt nur mit meinem Bettnachbarn
im Zweibett-Zimmer verbringen.
Wenn Heidi Dienst
hatte, durfte ich meine Gitarre zur Liegekur
mitnehmen, was sonst untersagt war. Ich übte nämlich
Griffe und Anschlagarten. Die Entwicklung dieser
Fingerfertigkeit sollte mir noch oft Lob und
Zuneigung bescheren. Heidi hatte im gleichen Haus
ihr Schwesternzimmer, das sie mit einer anderen
Krankenschwester teilen musste. Eine von beiden
hatte abwechselnd Dienst, was ich nur begrüßen konnte.
Wir kamen uns schnell näher. Kleine
Geheimnisse verbinden eben. Sie bemerkte meine Übungserfolge.
Ein musikalischer Abend war angekündigt worden.
Aus dem Ort kam ein gemischter Chor zu uns.
Eine
Instrumentalgruppe lockerte das Programm angenehm
auf. Ich traute meinen Augen nicht - in der Gruppe
saß Heidi und spielte Blockflöte. Keine einfache
Blockflöte, sondern die größere Alt-Flöte, die
diesen unverwechselbaren dunklen Klang erzeugen
konnte. Wie war sie bei der Sache! Am nächsten
Tag lobte ich die Gruppenleistung, ihre ganz
besonders. Sie fragte mich rundheraus, ob ich
nicht als Gitarrenspieler die Gruppe verstärken
wolle. Die Noten besorge sie schon, und üben könnten
wir ja vorerst zu zweit. Ich willigte ein. Wir
nahmen die Übung wirklich sehr ernst. Zumindest
an den ersten zwei Tagen.
Heidis Flötennoten und
mein Gitarren-Part lagen auf dem kleinen Tisch,
den, wir wegen der Sitzanordnung vor das Bett
gestellt hatten, auf dem wir saßen. Es kam schon
vor, dass wir uns gleichzeitig über die Notenblätter
beugten und sich dabei unsere Köpfe berührten.
Wir nahmen es lachend zur Kenntnis. Pausen mussten
eingelegt werden.
Die Fingerspitzen meiner linken
Hand glühten vom Saitendrücken. Ich zeigte sie
ihr. "Ich kühle sie dir", sagte Heidi
und pustete leicht auf die roten Fingerkuppen.
Jetzt zeigte Heidi mir die Eindrücke, die das Verschließen
der Blockflötenlöcher auf ihren
Fingergliedern hinterlassen hatte. Ich
revanchierte mich, pustete ebenfalls und prüfte
mit den Lippen die Hauttemperatur.
Wir fanden
beide, dass es einfach angenehm war, dieses kühlende
Blasen auf die durch Druck erhitzten Finger. Es
wirkte vor allem auch einer Blasen-Bildung
entgegen, die ja so hinderlich für das Weiterüben
sein musste. Diese versteckten Wortspiele gefielen
uns.
Wir wurden musikalisch-grifftechnisch
konkreter. Ich lobte ihre vorzügliche
Mundstellung, die gekonnte Lippenformung, mit der
sie das Flötenmundstück umschloss, was für das Qualitätsmaß
der Flötentöne ja so ungeheuer
wichtig war. Sie konterte gut. Ja, auch meine
Fingerfertigkeit konnte sich schon sehen lassen,
meinte sie. Sie spüre förmlich die Schwingungen
der Saiten, deren Amplitude ich mit der linken
Hand bestimmen und deren Dynamik ich am Schlagloch
der Gitarre nach Belieben verändern könne. Diese
Schwingungen empfinde sie besonders beim
Zusammenspiel als aufregend und äußerst angenehm. Wir spielten weiter. Beim nächsten
Pausenpusten suchten dann meine Fingerspitzen den
Kontakt mit ihren Lippen, strichen über die
Oberlippe und zeichneten die roten Mundrundungen
etwas zitternd nach. Sie öffnete ihren Mund und
schnappte nach meinen Fingern, die ich ihrem
Zugriff entzog.
Beim nächsten Zuschnappen
erwischte sie meinen Mund, den sie plötzlich
statt meiner Finger vorfand. Sie saugte sich
sofort daran fest, vollführte mit ihrer durch
intensives Flötentraining geübten Zungenspitze
ein vollendetes Staccato-Spiel, dass ich fast
sicher war, die Engel im Himmel vielstimmig singen
zu hören. Aber das sollte nur ein Präludium
sein. Gewohnt, Lippen-, Zungen- und
Fingerbewegungen koordiniert ablaufen zu lassen,
griff sie zielsicher zu meinem Hosenschlitz und öffnete
diesen wie das Futteral ihrer Alt-Flöte. Wie ich
ihre Grifftechnik genoss! Während sie die schon
an Länge beachtlich zunehmende Flöte aus der
Verpackung befreite, suchten ihre anblasbereiten
Lippen das Mundstück, das sie - nach Flötenspielerart
- mit der Zungenspitze vorschriftsmäßig anfeuchtete.
Heidi bemerkte die Spielbereitschaft
der Flöte und versuchte sogleich ein Tremolo, das
in ein wohliges Vibrato ihrer rechten Hand überging.
Später wird es bestimmt mal ein Instrument geben,
das dieses Vibrato-Gefühl künstlich vielleicht
als "Vibrator"- nachahmen wird. Der
Engelsgesang nahm beträchtlich an Stärke zu.
Heidi war geradezu ein Meisterspieler auf diesem qualitätsmäßig
immerhin hochstehenden
Instrument. Ihre Freude an diesem erfolgreichen
Spiel - sie fühlte sich offensichtlich durch mein
Beifallsstöhnen zu Höchstleistungen motiviert -
übertrug sich nun so auf mich, dass ich mich mit
merklich steigerndem Kunstgenus dem Finale dieses
virtuos beherrschten Instrumentalspiels näherte.
Es war so unbeschreiblich wohltuend, wie Heidi
auch den letzten Ton voller innerer Empfindung
ausklingen liess, ohne der Flöte die Wärme ihrer
Lippen zu versagen. Welch ein Flötenzauber! Heidi
hielt das Instrument nachdenklich in der Hand.
Verträumt sagte sie: "Penis magica ...
" Es heißt wohl, frei übersetzt, 'Zauberflöte'.
Es klopfte! . - . . kurz lang kurz kurz. Das war
das verabredete Zeichen von Heidis
Stubenschwester. Schnell waren die Instrumente
verpackt. Am nächsten Tag steckte ich ihr einen
Zettel zu.
Es war ein Spruch, der mir vor dem
Einschlafen noch eingefallen war: Schön war heut
dein Solospiel. Die Bühne war dein Bett; noch
lieber hätt' ich das Gefühl beim Singen im
Duett!
ENDE
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